Sendungsüberblick:

Laden Sie sich hier den Flyer zum Funkkolleg Mensch und Klima herunter und hier die unten stehende detaillierte Übersicht der Sendungen:   Die Podcasts zum Nachhören finden Sie hier. 

 

Zur Einführung

1. Was ist gutes Wetter?
    Karl-Heinz Wellmann

Der menschengemachte Klimawandel führt dazu, dass es in Europa wärmer wird – was grundsätzlich erfreulich zu sein scheint, wird "gutes Wetter" doch häufig mit strahlendem Sonnenschein aus wochenlang blauem Himmel gleichgesetzt, "schlechtes Wetter" hingegen mit Regenschauern. Was den sonnenhungrigen Großstädter freut, ruiniert aber womöglich die Ernte des Landwirts. Ganz zu schweigen von den langfristigen Folgen großer Klimaveränderungen: Als vor rund fünf Millionen Jahren Nordeuropa von einer Eiszeit heimgesucht wurde, verschwanden in Afrika viele Regenwälder. Einigen Vorfahren der Menschenaffen gelang die Anpassung an ein Leben in den seinerzeit entstehenden Savannen – und so brachte dieser Kälteeinbruch letztlich auch Homo sapiens hervor, den modernen Menschen. Völlig andere Ansprüche an "gutes Wetter" stellen hingegen einige Krankheitserreger: Je wärmer es künftig im Norden wird, desto eher können sich einige von ihnen auch bei uns ausbreiten. Das West-Nil-Virus geht schon seit einigen Jahren in Nordamerika um; das bei uns bislang kaum bekannte Sindbis-Virus hat den Sprung über die Alpen nach Deutschland bereits erfolgreich hinter sich gebracht; und auch an das Toskana-Fieber wird man sich wohl demnächst gewöhnen müssen.


    Unsere Klimageschichte

2. Paläoklima: Als Hessen am Äquator lag
    Frank Eckhardt

Nicht immer war das Zentrum Deutschlands eine typische Mittelgebirgslandschaft mit gemäßigtem Klima: Die Marmorsteinbrüche im hessischen Landkreis Limburg-Weilburg belegen beispielsweise die Existenz ehemaliger Korallenriffe, und Haifischzähne in den Weinbergen am Rande des Mainzer Beckens verweisen ebenfalls auf einen ehemaligen Meeresarm, der vor rund 20 Millionen Jahren im Prinzip die Nordsee mit dem Mittelmeer verband. Die riesigen Braunkohlelager entstanden in Sumpfböden, die Fossiliengrube Messel beherbergt Überreste eines subtropischen Urwalds, und die fruchtbaren Lössböden der Magdeburger Börde sind ein Relikt von Staubstürmen während der Eiszeiten. Nicht zuletzt die Bewegung der Erdplatten hat immer wieder einen extremen Wandel des Klimas im heutigen Europa verursacht: Es gab eine Zeit, in der fast die gesamte Erdoberfläche von Eis bedeckt war. Es gab ein Super-Treibhaus, in dem die Temperatur weit höher war als heute – und auch der Meeresspiegel lag zeitweise 150 bis 200 Meter über dem heutigen Meeresspiegel. Darf man daher im beginnenden 21. Jahrhundert wirklich von einer „Klimakatastrophe“ sprechen, weil sich die Temperatur in den kommenden 100 Jahren um zwei bis drei Grad erhöhen und der Meeresspiegel wieder ein paar Meter ansteigen wird?


3. Der aufrechte Gang: Wie Klimaänderungen den Weg zum Menschen ebneten
    Utz Thimm

Gemäß der Evolutionstheorie von Charles Darwin sollte man erwarten, dass es in der Natur einen ständigen Wandel gibt. Bezogen auf die Menschenaffen hieße das: Eigentlich müsste sich ihr Körperbau über die Jahrmillionen hinweg stetig verändern. Das jedoch war offensichtlich über lange Zeitspannen hinweg kaum der Fall. Stattdessen gab es kurze Phasen raschen Wandels, zum Beispiel vor rund fünf bis sechs Millionen Jahren. Damals fiel in Teilen Afrikas der Regenwald einem globalen Klimawandel zum Opfer, und zuvor mäßig trockene Gebiete wurden zu Wüsten. In dieser Zeitspanne verlegten einige Menschenaffen-Gruppen ihren Lebensraum in die neu entstandenen offenen Graslandschaften. Sie gingen binnen kurzem ausdauernd aufrecht – und deren Nachfahren besiedeln heute als Homo sapiens alle Kontinente. Die im Regenwald verbliebenen Menschaffen entwickelten sich hingegen zu den Schimpansen.


4. Eiszeit: Ursachen und Folgen für Menschen, Tiere und Pflanzen
    Frank Eckhardt

Vor rund 20.000 Jahren waren Skandinavien, Schottland und selbst die Region um Berlin von einem mehrere hundert Meter hohen Eispanzer bedeckt. Vor rund 10.000 Jahren endete diese bisher letzte Eiszeit: Es wurde abrupt wärmer – ein dramatischer Klimawandel, der sich bis heute fortsetzt, und der nicht der erste war, den die Welt erlebte. Welche Ursachen für die periodisch wiederkehrenden Vereisungen kennt man heute? Und: Haben jene Forscher recht, die behaupten, trotz des menschengemachten Klimawandels stehe dem Planeten in einigen Jahrtausenden eine neuerliche Eiszeit bevor?

 

5. Wetternachhersage: wie man die Witterung vergangener Jahrhunderte rekonstruiert 
       Florian Hildebrand


Wer das künftige Klima vorhersagen möchte, muss möglichst viele historische Wetterdaten – und diese möglichst genau – in die Berechnung der Prognosen eingehen lassen. Meteorologische Daten werden jedoch erst seit dem späten 18. Jahrhundert systematisch erfasst und aufgezeichnet. Gleichwohl gibt es schon seit Jahrtausenden Wetteraufzeichnungen in Form natürlicher Klimaarchive: Auskunft geben kann zum Beispiel die Dicke der Jahresringe von Bäume; aber auch anhand der Kalksteinhülle von Korallen, aus Bohrkernen von Gletschereis und sogar mit Hilfe von Tropfsteinen können Klimaereignisse rekonstruiert werden. Einzelne Daten sind jedoch wenig aussagekräftig: Erst aus dem Vergleich von einander unabhängiger  Messreihen können die Forscher zu tragfähigen Aussagen kommen.


6. Die Klimaforscher: eine verschworene Gemeinschaft?
    Volker Mrasek

Klimaforscher sind keine Wetterpropheten: Ihre langfristigen Vorhersagen beruhen auf handfesten Daten – könnte man meinen. Tatsächlich aber stand die Klimaforschung noch in der 1980er-Jahren auf reichlich tönernen Beinen. So gingen die Ozeane beispielsweise bloß als flache Meeresbecken in die Berechnungen ein, obwohl die Temperatur des Tiefenwassers einen erheblichen Einfluss auf das Klima hat. Es gibt Wolkenformationen, die das wärmende Sonnenlicht in den Weltraum zurück strahlen, aber es gibt auch Wolkenformationen, die das zum Erdboden gelangte Sonnenlicht wieder nach unten reflektieren – die Wärmebilanz beider Prozesse ist bis heute unklar. Zudem schmelzen die polaren Eiskappen derzeit schneller ab, als es die Klimamodelle vorhergesagt haben – auch diese Vorgänge scheinen noch nicht richtig verstanden zu sein. Daher kommen auch heute noch unterschiedliche Forschergruppen zu reichlich unterschiedlichen Prognosen, die zwischen den Fachleuten diskutiert und schließlich in gemeinsamen Stellungnahmen publiziert werden. Wie gehen die Forscher mit diesen Unsicherheiten um?


    Wie entsteht das Wetter?

7. Unsere Sonne: die Mutter fast aller Wetterphänomene
    Florian Hildebrand

Ohne Sonneneinstrahlung gäbe es auf der Erde weder Wetter noch Klima: Die Sonne ist der Antrieb für alle Wetter- und Klimaabläufe auf unserem Planeten. Ganz fundamental sind zudem die im Tagesrhythmus wechselnden Temperaturen: Dank der Eigendrehung des Planeten wechseln sich auf der Erde Tag und Nacht ab. Deswegen wird es fast überall abwechselnd wärmer und kühler; aber nicht überall gleichmäßig: Immer ist die Bauchseite der Erde – die Region der Tropen – der Sonne stärker ausgesetzt als Kopf und Fuß, Arktis und Antarktis. Diese großen Temperaturunterschiede zwischen den polaren und den äquatornahen Gebieten setzen nahezu das gesamte globale Klimageschehen in Gang, den weltweiten Luftaustausch, die damit verbundenen Winde, die Hochs und Tiefs. Die Sonne beeinflusst aber nicht nur die Winde, sondern – über die im Wasser der Ozeane gespeicherte Wärme – auch die Meeresströmungen. Grobe Eingriffe in diese hochkomplexen Wechselwirkungen von Sonnenstrahlung, Atmosphäre, Wasserflächen und Erdboden können das Klima verändern.


8. Die wunderbare Welt der Wolken
    Cajo Kutzbach

Wolken haben einen großen Einfluss auf die Strahlungsbilanz der Erde und somit über die Lufttemperatur auf das Wetter. Je nach Wolkentyp ergibt sich ein kühlender oder ein wärmender Effekt: Einerseits reflektieren bestimmte Wolken die Wärmestrahlung der Sonne zurück in den Weltraum; andererseits verhindern einige Wolkentypen, dass erwärmte Luftschichten die in ihnen gespeicherte Energie allzu rasch in den Weltraum abstrahlen. Zudem sind Wolken wichtige Mittler im Wasserkreislauf, zwischen Verdunstung und Niederschlag – wobei Bakterien und Pilzsporen einen Gutteil zur Wolkenbildung beitragen. Bis heute ist die Bedeutung der Wolken für das Klimageschehen allerdings nur unzureichend erforscht und verstanden: Welche Folgen eine veränderte Wolkenbildung infolge des Klimawandels haben könnte, wie der Treibhauseffekt dadurch beeinflusst wird, das stellt die Meteorologen auch heute noch vor Rätsel. Unter kontrollierten Bedingungen erforschen sie daher in Simulatoren das Entstehen von Wolken.


9.  Zwischen Intuition und Modellrechnung: Wettervorhersage
     Frank Grotelüschen

Sie besitzen eine Rechenleistung wie 50.000 gewöhnliche Büro-Computer: Aber nicht nur die Superrechner beim Deutschen Wetterdienst in Offenbach haben bewirkt, dass die Wettervorhersagen in jüngster Zeit immer mehr verfeinert wurden – auch ein immer dichteres Netz von Messstationen und  Satelliten trägt dazu bei. Noch immer spielt aber auch die Erfahrung der Meteorologen eine wichtige Rolle, wenn es um die endgültige Formulierung der Wettervorschau geht. Denn mit absoluter Genauigkeit könnte das Wetter selbst bei optimaler technischer Ausstattung nicht berechnet werden, wie die Chaosforschung herausgefunden hat. Um die Prognosen künftig dennoch treffsicherer zu machen, entwickelte man in Offenbach beispielsweise eine Strategie, mit der sich die chaotischen Ausreißer, die es beim Wettergeschehen immer wieder gibt, besser abschätzen lassen. Der Trick: Die Experten lassen ihre Supercomputer nicht nur ein einziges Wettermodell rechnen, sondern Dutzende gleichzeitig.


10. Planetenwetter
    Dirk Lorenzen

Nicht nur auf unserer Erde gibt es Vorgänge, die wir als "Wetter" bezeichnen – auch andere Planeten besitzen eine Atmosphäre, in der es turbulent zugeht: Staubstürme auf dem Mars, Treibhauseffekt auf der Venus, Orkane auf Jupiter und Neptun. Selbst auf dem Saturn-Mond Titan fällt von Zeit zu Zeit "Regen", der dort jedoch aus flüssigem Methan besteht. Was die Planetenforscher aber am meisten interessiert, ist die Frage: Warum unterscheiden sich Erde, Mars und Venus derart stark, obwohl alle drei so genannte Schwesterplaneten sind und nach ihrer Entstehung annähernd gleiche Ausgangsbedingungen hatten? Warum wurde die Venus zur Gluthölle mit Temperaturen von über 450 Grad Celsius, warum wurde der Mars so kalt, dass Kohlensäure dort gefriert? Wie plausibel sind schließlich Szenarien, den Mars durch einen künstlichen Treibhauseffekt bewohnbar zu machen?


    Wetter und Gesundheit

11. "Toll bin ich nur bei Nordnordwest": Wetterfühligkeit
       Eva Maria Siefert

Kopfschmerzen bei Föhn, Narbenschmerzen vor einem Wetterumschwung, Niedergeschlagenheit und Konzentrationsstörungen bei Inversionswetterlagen – in kaum einem anderen Land der Welt klagen so viele Menschen über wetterabhängige Beschwerden wie bei uns. Dass sie das Wetter krank macht (oder genauer: in ihrem Wohlbefinden stört), sagt mehr als die Hälfte der Bundesbürger. Das zumindest ergab im Jahr 2002 eine repräsentative Umfrage im Auftrag der Münchner Ludwig-Maximilian-Universität. Was nach persönlichen Befindlichkeitsstörungen klingt, hat aber auch nicht zu unterschätzende ökonomische Auswirkungen. Denn wegen solcher Beschwerden fehlt jeder Betroffene durchschnittlich zehn Tage im Jahr an seinem Arbeitsplatz. Dabei leiden Frauen eher und häufiger unter Wetterfühligkeit als Männer; Menschen mittleren Alters mehr als die Jungen oder ganz Alte; auch wer in einer Führungsposition arbeitet und – ziemlich überraschend: in der Landwirtschaft – der fühlt Wetterschwankungen mehr als die übrige Bevölkerung. Doch trotz des scheinbar offensichtlichen Zusammenhangs zwischen Wetter und Wohlbefinden tut sich die Wissenschaft mit Beweisen für die Wetterfühligkeit schwer.


12. Sonnenanbeter: eine kleine Kulturgeschichte der gebräunten Haut
       Frank Eckhardt

Bleiche Haut wirkt krank, gebräunte Haut gesund: Das zumindest war eine Zeit lang Common Sense in Europa. Wer sich in Italiens Sonne bräunen lassen konnte, hatte zudem genug Geld, um in Urlaub zu fahren, und so wurde die mutwillig gedunkelte Farbe der Haut zugleich zu einem Statussymbol. Die vielen Sonnenstudios in Deutschland lassen den Schluss zu, dass dies bei einem Teil der Bevölkerung noch immer so ist. In China hingegen vermeidet der wohlhabende Städter die Sonne, so oft er es kann – schließlich möchte er nicht so aussehen wie ein armer Landarbeiter. Und er trägt seine Sonnenbrillen als Teil seines modischen Outfits. Auch in Europa war "vornehme Blässe" früher ein Merkmal zur Abgrenzung der Adeligen von den Bauern.


13. Neue Risiken: Klimawandel und Gesundheit
       Regina Oehler


Der Klimawandel beeinflusst den Gesundheitszustand vieler Menschen schon heute dramatisch, darüber sind sich die Experten einig:  In vielen Regionen Afrikas und Asiens nehmen Trockenzeiten und Überschwemmungen weiter zu, noch mehr Menschen sterben an Durst und Hunger oder leiden unter Infektionskrankheiten, weil es kein sauberes Trinkwasser gibt. In Europa nehmen sich die gesundheitlichen Folgen des Klimawandels zunächst  vergleichsweise harmlos aus. Wenn aber sommerliche Hitzewellen und andere extreme Wettereignisse zunehmen, werden das aber auch hier viele Menschen zu spüren bekommen, nicht nur Herz-Kreislauf- Patienten. Neue Risiken rühren auch daher, dass Erreger von gefährlichen Infektionskrankheiten ihr Verbreitungsgebiet immer mehr nach Norden ausdehnen können. Die asiatische Tigermücke und andere bei uns bisher unbekannte Stechmückenarten sind dabei, sich in Europa zu etablieren . Und sie können zum Beispiel Dengue-Viren und die Erreger des Chikungunya-Fiebers übertragen. Aber auch vertraute Krankheiten werden uns zunehmend zu schaffen machen: Immer mehr Zecken übertragen zum Beispiel Bakterien, die die Borreliose verursachen.  Die Liste der Gesundheitsgefahren,  die der Klimawandel verschärft, wird lang und länger.



14. Klima-Einsicht ohne Folgen? Zur Psychologie des Versagens
      Jochen Paulus

Autofahren ist schlecht für die Umwelt, und dennoch möchte kaum jemand auf seine lieb gewonnenen, aber klimaschädlichen Verhaltensweisen verzichten. Die Widersprüche zwischen umwelt- und klimarelevanten Handlungsnotwendigkeiten und dem individuellen, gesellschaftlichen und energiepoltischen Verhalten sind in unserer Gesellschaft offensichtlich. Nicht zuletzt deshalb haben die Vereinten Nationen die Jahre 2005 bis 2014 zur "Weltdekade der Bildung für nachhaltige Entwicklung" ausgerufen. Es geht u. a. darum, vorausschauendes Denken, interdisziplinäres Wissen, autonomes Handeln und die Teilhabe an gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen zu fördern. Wie kann der Weg von der Einsicht zum Handeln geebnet werden?



    Wetter und Kultur

15. Regenbögen und feurige Blitze: Wetter in Mythos und Religion
      Julika Tilmanns

Schon in den ältesten überlieferten Texten werden Wettergötter erwähnt: Die Götterwelten der frühen Hochkulturen spiegeln offenbar nicht zuletzt auch die Erfahrungen der Menschen mit ihrer Umwelt wider, Erfahrungen mit Gewitter und Sturm, mit Flut und Dürre, mit Blitz und Hagelschlag – Ereignisse, die für den vormodernen Menschen von existentieller Bedeutung waren. Denn die Felder und Siedlungen der frühen Bauern und Viehzüchter waren nahezu schutzlos der Gewalt von Sturmwinden, von Überflutungen und Blitzeinschlägen ausgeliefert. Aber auch ein Mangel an Regen konnte in Gegenden, in denen der Ackerbau auf ausreichende Niederschläge angewiesen ist, zu katastrophalen Missernten und zu Hungersnöten führen. Solche Erfahrungen prägten den Blick der Menschen auf die Natur sowohl in den Hochkulturen im Nahen Osten als auch in Japan.



16. Mit Windkraft voraus: Frühe Erkundungen der Welt
      Utz Thimm

 

Die Erkundung entfernter Inseln und Kontinente durch europäische Seefahrer hatte zur Voraussetzung, dass die Schiffsführer das globale Wettergeschehen zuverlässig beurteilen konnten: die Winde im Mittelmeer ebenso wie die Passatwinde im Atlantik, die Gebiete der Rossbreiten und der Kalmen. Irrtümer konnten tödlich sein, ein Irrtum aber hatte Bestand. Stiller Ozean, Pazifik:  So nannte Magellan bei seiner Weltumsegelung dieses Meer – weil Magellan im Jahr 1521 zufällig gutes Wetter erwischt hatte. Zu anderen Zeiten können im Pazifik einige der heftigsten Stürme toben, die gefürchteten Taifune. Wirklich frühe Seefahrer aber waren keineswegs die Europäer, sondern die Polynesier. Sie leben in einem Wassergebiet, so groß, dass man alle Kontinente der Erde darin versenken könnte, und es wäre noch Wasserfläche übrig. Dennoch gelang es den Polynesiern – Jahrhunderte vor den Europäern – alle Inseln im Pazifik zu besiedeln, und zwar mit einer geradezu modern wirkenden Segeltechnik.


17. Wetter und Krieg
       Utz Thimm

Als die Alliierten im Zweiten Weltkrieg ihre Landung in der Normandie vorbereiteten, war die Wettervorhersage das schwächste Glied in ihrer Planungskette. Und dies nicht zum ersten Mal: Im Krimkrieg von 1853 bis 1856 hatte ein Sturm die Expeditionsflotte der Franzosen und Briten schwer geschädigt. Dieses Ereignis hatte zur Folge, dass die ersten staatlichen Wetterdienste gegründet wurden. Auch danach war das Militär die treibende Kraft hinter der Entwicklung der Meteorologie – und beim Versuch, das Wettergeschehen zu beeinflussen. Die britische Version der Wetterwaffe hieß in den 1950er-Jahren „Operation Cumulus“. Mit Hilfe der „Operation Popeye“ versuchte die US-Luftwaffe im Vietnamkrieg, die Nachschublinie des Vietcong durch schlechtes Wetter unpassierbar zu machen. Heute werden Wolken vor allem dann künstlich abgeregnet, wenn man Hagelschlag vermeiden möchte. Manchmal sollen diese Maßnahmen aber auch einfach nur für schönes Wetter sorgen, wie etwa bei der 9. Mai-Parade 2005 in Moskau und bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking.



18. Klimawechsel: Wie das Wetter in der Kunst seine Unschuld verlor
       Thomas Östreicher

Ob in der griechischen und römischen Mythologie oder im Rolandslied: Die Wettergötter und das Wettergeschehen waren seit jeher Teil der Alltagskultur. Aber erst mit der Aufklärung und der zunehmenden wissenschaftlichen Betrachtungsweise der Welt wurde die Schicksalsschwere des Wettergeschehens von einer weniger drastischen Symbolik abgelöst. Der nüchterne Blick der Beobachter sah das Wetter nun als ein meteorologisches Phänomen, das sich beschreiben und ansatzweise sogar verstehen lässt. Parallel zur literarischen Entwicklung veränderte sich auch in der bildenden Kunst der Blick nach oben. Für die Maler besaßen Wolkenformationen seit dem Mittelalter vor allem eine symbolische Bedeutung, und die niederländischen Künstler des 17. Jahrhunderts verliehen dem Himmel gern eine dramatische Gestalt mit dem Mond als Tröster und Lichtspender in der Dunkelheit. Mit der aufkommenden Romantik Ende des 18. Jahrhunderts fand dann ein entscheidender Umbruch statt: Das himmlische Lichtspiel, die Wolken und das Wetter wurden selbst zum Bildgegenstand – in der Malerei, der Literatur und später selbst im Spielfilm der Gegenwart.



19. Von der Bauernregel zur Wettershow
       Florian Hildebrandt

Die Entwicklung des Wetters abschätzen zu können, ist seit Jahrtausenden eine Voraussetzung für das Überleben des Menschen. Dabei interessiert die meisten Menschen weniger das großräumige Wettergeschehen, als das Geschehen direkt über ihren Köpfen. 

Insofern ist es erfreulich, dass die Wettervorhersagen heute zu rund 90 Prozent zutreffen. Das heißt aber umgekehrt auch: Jede zehnte Vorhersage geht noch immer daneben –  und das vor allem dann, wenn man sie besonders beachtet: in den so genannten Übergangszeiten. Im Hochsommer ist das Wetter von heute durchweg auch das Wetter von morgen, aber zum Beispiel vom April heißt es nicht ohne Grund, er könne machen, was er will. Gleichwohl werden auch die lokalen Wetternachrichten immer präziser und haben daher die Bauernregeln abgelöst. Ein Blick hinter die Kulissen des Fernsehformats "Alle Wetter" im hr-Fernsehens macht deutlich, welcher Aufwand betrieben werden muss, um Wetterinformationen wirklich verlässlich zu verbreiten – denn längst ist der Wetterbericht von einem Anhängsel der Weltnachrichten zu einem eigenen Genre der elektronischen Medien geworden.



20. Wohl behütet und bedacht: klimagerechtes Bauen
       Cajo Kutzbach


Christliche Kirchen waren viele Jahrhunderte lang nach Osten ausgerichtet, so dass die Morgensonne vom Altar her den Gottesdienstbesuchern entgegen schien. Diese Orientierung hatte auch eine praktische Seite: Wenn die Längsseite des Kirchenschiffes nach Süden weist, ist es tagsüber darin recht hell und warm. So kühlten die früher meist ungeheizten Kirchen nicht so stark aus, als wenn sie – statt nach Osten – nach Süden oder Norden ausgerichtet gewesen wären. Ein weiteres Beispiel für klimagerechtes Bauen ist in unseren Breiten der Schwarzwaldhof: Innen sind alle Räume, die beheizt werden sollen, um eine einzige Feuerstelle angeordnet. Die Gute Stube, die Küche und darüber die Schlafräume sind oft in der südlichen Giebelseite untergebrach, der Stall im Norden. Auch in modernen Neubauten könnte man auf viele stromfressende Hilfsmittel verzichten, wenn die Häuser und speziell die großen Fenster in die richtige Himmelsrichtung weisen würden; wenn das richtige Baumaterial verwendet würde. Und wenn die Wohnungen nicht über die Landschaft verstreut gebaut würden, sondern in kompakten Einheiten.



    Mit dem Klimawandel leben

21. Solarwirtschaft: Wie kann man Sonnenenergie speichern?
       Frank Grotelüschen

Kühlhäuser, die als Energiespeicher dienen, Waschmaschinen und andere Haushaltsgeräte, die sich in stürmischen Nächten von allein einschalten: Sogar im Alltag gibt es bereits raffinierte technische Möglichkeiten, um einen zeitweise anfallenden Stromüberschuss sinnvoll zu nutzen. Zum Beispiel den Stromüberschuss aus Windkraftanlagen, denn der Wind wehr öfters auch in nachfragearmen Stunden kräftig. Bislang wird der Stromüberschuss aber vor allem dazu genutzt, um Talsperren zu füllen und das Wasser bei erhöhtem Strombedarf dank solcher Pumpspeicherkraftwerke zur Stromproduktion zu nutzen. Der Bau zusätzlicher Talsperren und Wasserrückhaltebecken aber ist in Deutschland selbst unter den Befürwortern des Ausbaus von erneuerbaren Energien umstritten. Welche alternativen Speicherlösungen sind in Zukunft zu erwarten?

 


22.  Wintersport ade? Neues Leben nicht nur in den Alpen
    Florian Hildebrand

Schneeferner heißt der Gletscher auf Deutschlands höchstem Berg, der Zugspitze – doch lange wird es ihn nicht mehr geben. Der südliche Schneeferner ist schon in diverse kleine Firnfelder zerfallen, und auch der nördliche Schneeferner scheint diesem Schicksal nicht entkommen zu können – 10 Jahre geben ihm die Experten noch. Aber nicht nur in den Alpen ziehen sich die Gletscher zurück; auch in den höchsten Gebirgen in Afrika in Asien wird es wärmer: Der Klimawandel verändert auch dort die Landschaften, ihre Tier- und Pflanzenwelt. Die Veränderungen beschränken sich aber nicht nur auf die Hochlagen der Gebirge, auch die Fluren und Gewässer im Flachland werden nicht bleiben, wie sie heute sind. Weit abseits der hohen Berge wird zum Beispiel eines Tages das Wasser knapp sein, wenn im Sommer in den Hochgebirgen kein Eis mehr abschmelzen kann, weil sich im Winter kaum noch neues Eis gebildet hat.



23. Stürmische Zeiten: Orkane und Taifune
      Hardy Tasso


Vom Weltraum aus betrachtet, ist die Erde ein blauer Planet – mehr als zwei Drittel ihrer Oberfläche ist von Ozeanen bedeckt. Es ist daher nicht verwunderlich, dass das Wettergeschehen ebenfalls überwiegend durch das Geschehen über den Weltmeeren bestimmt wird. Zum einen ist das Wasser ein gigantischer Wärmespeicher, der weltweit ausgleichend auf die Temperaturen einwirkt. Zum anderen steigen aber rund um den Äquator all jene Luftmassen auf, die durch die starke Einstrahlung der Sonne erhitzt wurden – der Luftdruck sinkt. So entsteht die "äquatoriale Tiefdruckrinne", die sich wie ein Gürtel an seiner breitesten Stelle um den Globus spannt. Ein Merkmal der äquatorialen Tiefdruckrinne ist starker Dauerregen: Wenn die heiße Luft vom Erdboden aufsteigt, kühlt sie sich in der Höhe langsam ab. Dabei kondensiert das Wasser, das die Luft über dem Meer aufgesogen hat, und es bilden sich gewaltige Wolken, aus denen regelmäßig heftige Gewittergüsse niedergehen. Zugleich bilden das unter der einstrahlenden Sonne verdunstende Wasser und die Druckunterschiede in der Luft jenes "Substrat", das die tropischen Wirbelstürme formt – aber und die europäischen Großwetterlagen. 


24. Wenn der Monsun ausbleibt: Klimawandel und Landwirtschaft
       Yvonne Mabille

Die Klimaforscher prognostizieren mehr extreme und unvorhersehbare Wetterereignisse, besonders für die Südhalbkugel. Trockene Perioden, die sich zu Dürren ausweiten, stärkere und häufigere Wirbelstürme, Niederschlag in der "falschen" Jahreszeit: Am stärksten wird dies jene Menschen treffen, die am wenigsten dafür verantwortlich sind. Hierzu gehören beispielsweise  die Bewohner Afrikas südlich der Sahara und in Südostasien, also in Regionen, die schon heute unter extremen Wetterlagen leiden, unter Hunger und Mangelernährung. Dort wird der Klimawandel zudem jene Teile der Bevölkerung am stärksten schädigen, die ohnehin benachteiligt sind – Kleinbauern, Fischer und indigene Völker. Einen Vorgeschmack auf das möglicherweise häufiger Kommende hat im Jahr 2010/2011 Australien erlebt: zunächst eine extreme Trockenheit, zur Jahreswende dann riesige Überflutungen. Stürme, Hagel und Hitzewellen, weniger Regen im Sommer, mehr Regen im Winter – darauf muss sich die Landwirtschaft allmählich einstellen. Um Anpassungsstrategien zu entwickeln, wollen Agrarforscher und Klimaforscher künftig eng kooperieren.



25. Heitere Aussichten? Wie eine Rückversicherung die Zukunft sieht
       Pia Zimmermann


Das Jahr 2010 war geprägt durch viele Wetterrekorde: die bislang beispiellose Hitzewelle in Russland, die wochenlange Waldbrände zur Folge hatte; die höchste jemals in Asien gemessene Temperatur: 53,5 Grad Celsius in Pakistan; und dann das wichtigste Indiz für den Klimawandel: die wahrscheinlich höchste globale Jahresmitteltemperatur seit Beginn der Aufzeichnung vor 130 Jahren. Zusammengetragen und analysiert werden solche Daten von einer Institution, deren Kompetenz im Gebiet der Klimafolgenabschätzung nicht zu übertreffen sein dürfte – von der Munich RE, dem Versicherer unserer Versicherungen. Aufgrund handfester kommerzieller Interessen werden von der Munich RE alle relevanten Klimadaten ohne ideologische Scheuklappen ausgewertet.  Denn wenn der Klimawandel zu weit fortschreitet, werden die mit ihm verbundenen Naturgefahren immer unberechenbarer und kaum mehr versicherbar. Das Geschäft mit den Versicherungen für Versicherer würde dann zum Vabanquespiel. Was erwarten die Klimaexperten der Munich RE vom Klima in der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts? Und wie versuchen sie dem Klimawandel gegenzusteuern?


26. Gewinner und Verlierer: die Klimapolitik der Vereinten Nationen
       Pia Zimmermann


194 Staaten hatten sich 1992 in der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen den Klimaschutz auf die Fahnen geschrieben. Alle Jahre wieder treffen sich die Vertreter dieser Staaten seitdem auf Konferenzen, um konkrete Schritte zum Klimaschutz zu verabreden – die bekannteste dieser Konferenzen fand 1997 in Kyoto statt. Das im Februar 2005 in Kraft getretene Kyoto-Protokoll verlangt von den Industrieländern eine Minderung der Treibhausgas-Emissionen bis 2012. Im Vergleich zu 1990 sollen die Emissionen um durchschnittlich fünf Prozent gesenkt werden. Die Vertreter der 194 Staaten bringen aber derart unterschiedliche Interessen in die Verhandlungen ein, dass im Dezember 2009 auf der UN-Klimakonferenz in Kopenhagen nur ein Minimalkonsens herauskam. Und auch die jüngste Konferenz, abgehalten im mexikanischen Badeort Cancun, endete Ende 2010 nur dank der unorthodoxen Verhandlungsführung von Patricia Espinosa, der Präsidentin des Klimagipfels und mexikanischen Außenministerin, mit einem frenetisch gefeierten Klimaschutz-Dokument.

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